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Ich möchte hier kurz die Eckdaten meines Lebens erzählen, und damit begründen, warum ich mich berufen fühle diese Website ins Leben zu rufen:

Ich wurde am 05. Jänner 1982 in Wien geboren und zwar als Kind von zwei sehr jungen und unglaublich verliebt-verträumten Eltern. Mein Vater studierte damals Veterinärmedizin in Wien (was er jedoch niemals abschließen konnte) und meine Mutter an der Pädagogischen Akademie, um Volksschullehrerin zu werden, wie schon ihre eigene Mutter und zwei weitere Schwestern. Somit wurde mir eine gewisse Tradition in die Wiege gelegt, denn bereits sehr früh konnte ich flüssig lesen, rechnen und schreiben.

Damit begann auch eine unendliche Lesewut, die von nichts aufzuhalten, und deren Geschwindigkeit und gleichzeitige Merkfähigkeit so erstaunlich war, dass ich mir in der Volksschule sogar dessen peinlich war und ich meine Fähigkeiten verbarg. Dieses ausgeprägte Lesebedürfnis (z.B. lernte ich als Kind Enzyklopädien auswendig - ja, Streber -, las etwa die Bibel und den Koran mehrmals und beschäftigte mich intensiv mit Archäologie und unorthodoxer Frühgeschichte) setzt sich (wenigstens dem Drang nach) ungebremst bis zum heutigen Tag fort. Die Liebe zu Büchern (übrigens alles außer ScienceFiction, Romanen und weitgehend Belletristik) zeigte sich auch in meinem späteren Job beim Verlagshaus Kremayr-Scheriau/ ORAC von 2005-2008, sowie in meiner privaten Sammlung mit dem Zweck eines Bibliothek-Aufbaus. Es ist ein großes Hobby von mir Antiquitätenläden und Hinterlassenschaften nach alten und/ oder wichtigen Büchern abzugrasen.

Meine Kindheit war nicht gerade friedlich, aber emotionell auf jeden Fall eine Hochschaubahn. Zum einen, weil mein Vater recht wenig da war, und wenn doch, so gab es meist entweder Streit zwischen meinen Eltern, woraufhin ich schon in jungen Jahren öfters mediatisierend einschreiten musste. Aber immer wieder gab es auch berührende und tiefgehende Erlebnisse. Denn zum anderen waren meine Elten, auf Grund eher chronischen Geldmangels und damit verbundenen Einschränkungen, stets damit beschäftigt, diese auf kreative Weise zu lösen (z.B. Urlaube am Bauernhof, Reisen durch ganz Österreich, etc.) So kam es also immer wieder auch zu schönen Überraschungen und vielen neuen Bekanntschaften. Das Einfache und Nützliche mussste ich dabei, bzw. konnte ich, schon früh wertschätzen lernen.
Als ich 6 Jahre alt war, bekam ich einen Bruder namens Emanuel, der mir zwar nicht unbedingt allzu ähnlich, aber sehr vertraut ist. Und als ich 8 war, erkrankte meine Mutter an Leukämie, woran sie nach langem Leiden und viel Pflege Anfang 1993 starb.
Leider wurde mein Vater daraufhin von Seiten ihrer Familie stark angegriffen, was bei ihm zu jahrelangen Konfusionen, Irritationen und der Hinwendung zu Spiritualität, Esoterik und Schamanismus führte. Für mich war das nur ein guter Grund, um einen unendlichen Fundus an weiteren Büchern aus diesem Gebiet zu erschließen und dabei aus kritischer Distanz das eine oder andere auszuprobieren, aber vor allem um mich weiterhin vergleichend mit Religionen und alten, bzw. untergegangen Kulturen zu beschäftigen.
Allerdings wollte ich mit 14 Jahren von Zuhause ausziehen und sollte zunächst 2 Jahre bei meinem Onkel wohnen, weil mein Vater mit neuer Freundin nach Niederösterreich zog. Mit 16 Jahren ergab sich plötzlich die Möglichkeit meiner ersten Mietwohnung am Stadtrand von Wien, und von da an musste mich nun weitgehend selbst erhalten. Die schon früh gewonnene Stabilität und „erwachsene“ (was auch immer diese Leidensfähigkeit meint) Einstellung kamen mir in dieser Situation zu Gute. Ausserdem prägten von nun an Unterstützung und Diskussionen mit meiner Großmutter, einst Psychologin, mein Denken (wofür ich ihr sehr dankbar bin).

Meine weitere Schulzeit im Piaristengymnasium in Wien, 8. Bezirk, verlief einerseits positiv, da ich viele liebgewonnene wichtige Kontakte und Freundschaften schließen konnte, die teilweise bis heute anhalten. Andererseits aber, war ich eher ein auffälliger Querulant und Nörgler, der sich schlecht in die Strukturen des auswendig Lernens und Wiedergebens, sowie die pünktliche Anwesenheitspflicht und konservativ-bürgerliche Ausrichtung dieser Schule einfügen wollte. Es gab etwa immer wieder Diskussionen mit meinen Lehrern und dem wohlwollenden Direktor; im Nachhinein bin ich aber sehr froh, in dieser Schule geblieben zu sein, vor allem um Latein, Englisch, Französisch und Italienisch gleichzeitg gelernt zu haben. Was mich dort hielt, war aber meine grafische Begabung, sowie die sehr humanistische und allgemeine Ausbildung, wobei Fächer wie Philosophie, Psychologie, Geografie und Geschichte meine absoluten Stärken waren (so es überhaupt welche gab). Denn andere Dinge begannen mich nun auch zu interessieren, und meine intuitive Abneigung gegen (klein)bürgerliche, habituelle Traditionen wuchs und wurde gleichzeitg fundierter und argumentierbarer.

Direkt nach der Matura (Juni 2000) bewarb ich mich erfolgreich, um das zweijährige kaufmännische Kolleg der Vienna Business School (2000-2002) zu absolvieren, deren Ausbildung nicht nur teuer, sondern auch dementsprechend rigoros ist. Die ganze Zeit über musste ich natürlich nebenbei arbeiten, um mich zu erhalten.
Klar zeigte sich nun, dass Genauigkeit und der Umgang mit Zahlen nicht unbedingt zu meinen Stärken gehören, zumindest wenn es sich innerhalb von vordefinierten Rahmen abspielt, wie etwa bei Buchhaltung. Ging es aber darum, Zahlen als quantitatives Mittel von qualitativen Vorgängen einzuführen, wie im Controlling, dann blühte ich regelrecht auf. So konnte ich als Projektleiter ein Investitionsprojekt mit der Raiffeisenbank Wien-NÖ realisieren, dass große Beachtung fand. Dies wiederum führte dazu, dass ich direkt nach dieser Ausbildung einige Zeit für die Bank Austria arbeiten konnte (2002), was allerdings den bereits längst gewonnenen, kritischen Blick auf (Finanz- und Banken-) Kapitalismus nur verschärfte.

Direkt im Anschluss absolvierte ich meinen Zivildienst in Wien -leider- bei einem privaten Rettungsverein, der zum ersten Mal überhaupt eine Charge Zivildiener zur Verfügung gestellt bekam. Und zwar nicht zuletzt auf Grund der guten (blauen) Kontakte in die Politik.
Dort wurde ich furchtbar ausgebeutet, zu wenig bezahlt und auch bedroht. Andererseits konnte ich mich an bis zu 100 Std/Woche Arbeit ebenso gewöhnen, wie an den Umgang mit Arbeitskollegen, aber auch Patienten, die aus dem Rotlicht- oder Gefängnismilieu kamen. Kurz, Durchsetzen und Abwehren wurden nun in einer Welt gelernt, wo die berühmten "social skills" nur wenig weiterhelfen. Im Laufe des Jahres wurde ich als Rettungssanitäter und später auch Fahrer eingesetzt, obwohl ich erst nach 6 Monaten eine entsprechende Ausbildung dafür bekam. Nach monatelangen Interventionen an hohe Verwaltungsstellen und selbst erstellten Briefen voller Paragrafen wurde ich schließlich zum Roten Kreuz versetzt, wo ich noch 2 Monate ableisten musste.

In dieser Zeit ging leider in meiner Familie vieles schief: Mein Vater heiratete neu, bekam zwei weitere Söhne, machte sich selbständig und ging damit ebenso bankrott, wie mit seiner Ehe. Dies führte direkt in Privatkonkurs und Arbeitslosigkeit, sowie zu einigen anderen Problemen, die allesamt bis heute anhalten. Nichts desto trotz hat er sich immer um mich bemüht, mich immer unterstüzt, mir viele Gedanken vermitteln können und ich bin im hochgradig für stundenlange Diskussionen und seine Zuneigung dankbar.

Im Herbst 2003 musste ich überraschend in den 9. Bezirk übersiedeln und nahm gleichzeitg mein Diplomstudium der Philosophie an der Universität Wien auf - ohne einen einzigen Tag Ferien gehabt zu haben. Dafür hatte ich durch konsequente Unterbezahlung während des Zivilsdienst-Jahres nun ca. 2000 Euro Schulden. Im darauf folgenden Sommer reiste ich dennoch (suboptimal finanziert) mit Freunden nach Peru, Bolivien und Venezuela, um mir einen alten und lange gehegten Traum zu erfüllen. Ab Herbst 2004 studierte ich zusätzlich voll das individuelle Diplomstudium Internationale Entwicklung an der Uni Wien.
Es folgten zahlreiche weitere Reisen, nachdem ich zuvor eigentlich nur einige Reisen durch Europa zu Buche stehen hatte. Ebenso folgten chronisch wenig Geld, bzw. die Anhäufung von Schulden und viele Nebenjobs, bis ich endlich doch ab ca. 2006 Studienbeihilfe beziehen durfte, was mich aber nicht daran hinderte weiter zu arbeiten. Das allerdings kommt in Alpistan einem Delikt gleich: Wie sooft werden Motivation und unorthodoxe Lebensläufe hierzulande einfach als beinahe kriminell abgetan.
2005 und 2007 erhielt ich jeweils ein Leistungsstipendium der Uni Wien und 2007 zusätzlich eine Förderung für wissenschaftliche Forschung, um nämlich die partizipativ-demokratische EU-Veranstaltung der „European Citizen's Consultations“ zu dokumentieren. Diese waren ein paneuropäisches, partizipatives Projekt (2006-2009), initiiert von der EU-Kommission, wobei historisch erstmalig eine sogenannte „1. Europäische Bürgererklärung“ in allen offiziellen Sprachen verfasst, und im Mai 2007 dem europäischen Parlament feierlich übergeben wurde. Ich wurde unbeworben ausgewählt, Österreich dabei als einer von 8 Bürgern vertreten, später konnte ich in der wissenschaftlichen Organisation und Dokumentation dieses Events mitarbeiten.
Wenn auch sicherlich nicht alles daran unhinterfragt positiv war, so stellen die dabei gewonnen Erfahrungen persönlich einen Wendepunkt meines politischen Denkens und Lebens dar, den ich mit meiner Diplomarbeit ("Europa auf der Suche nach seiner Identität?", 2009) zur Beendigung meiner beiden Studien (2007-2009) zu erfassen versuchte.
Außerdem habe ich noch Studienaufenthalte in Tübingen (2008), mehrere Monate Berlin (2008) und ein Jahr in Lausanne (2008/2009) zu Buche stehen, wo ich zur Zeit auch lebe. Letzteres als Doktorand der Philosophie, um meine Dissertation zu „Kosmopolitismus und Armut“ zu planen und zu beginnen.

Aktuell wurde ich ab September 2009 am sehr renommierten "Institut de Hautes Études Internationales et du Développement" (IHEID) für ein PhD-Studium in Development Studies in Genf zugelassen. Für dieses werde ich die nächsten 3-4 Jahre zwischen Wien und Genf (und hoffentlich restlicher Welt) pendeln. Klarerweise erfordert mein geplantes Projekt einer interdisziplinären Dissertation/PhD-Arbeit eine Vielzahl von Forschungs- und Stipendienanträgen, ohne derer ein Leben in der Schweiz nicht möglich sein wird. Nebenbei versuche ich meine Studien des Arabischen wieder aufzunehmen, wofür mir das multisprachliche Umfeld hier in der Schweiz zwar einerseits gute Möglichkeiten bietet, andererseits auch zu einiger Ablenkung führt, weil ja auch Französisch, Italienisch (und Spanisch) immer besser gelernt werden wollen...


Ich bin überzeugt, dass mein Lebensprojekt, nämlich die Suche nach tragfähigen Schnittpunkten zwischen Sprachen, Philosophie, Ökonomie, Politik, Psychologie, Soziologie, Religion, Spiritualität und nach neuen Logik(en), d.h. nicht mehr und nicht weniger nach Schnittpunkten zwischen und unter Kulturen („beyond“) auf dem Wege dieser Homepage einen Schritt weiter zu bringen ist.


Wer mich, mein Lebenswerk, und somit mein Projekt, sowie diese durchaus wartungsintensive Homepage dankenswerterweise finanziell unterstützen möchte, und damit in einer auf permanente Ersatzbedürfnisbefriedigung zielenden Arbeitsgesellschaft etwas Freiheit zum Forschen und Studieren verschafft, den/die bitte ich herzlich, aber unverbindlich, dafür in tiefster Ergebenheit mein Spendenkonto zu konsultieren!
Vielen Dank für Ihr Interesse!