Was steckt hinter den Revolten im Iran? Die Rolle der angelsächsischen Geheimdienste
(Dieser Artikel beruht auf dem Artikel von Thierry Meyssan in „Zeit-Fragen", vom 06. Juli 09, S. 4, sowie auf den Einträgen im Blog: http://www.voltairenet.org: "La CIA et le labortoire iranien")
Gleich vorweg: Thierry Meyssan behauptet, das Chaos im Iran nach der Wahl, der (vermeintliche?) Sieg von Mussavi wurde von der CIA angestachelt und bezahlt.
Im März 2000 hatte die damalige US-Außenministerin Madeleine Albright zugegeben, dass die Administration unter Eisenhower 1953 den Regimewechsel im Iran organisiert hatte und dass dieses Ereignis bis heute die Feindseligkeit vieler Iraner gegenüber den USA erklärt. Auch der neue Präsident Obama hat in seiner „historischen" Rede an die muslimische Welt vor wenigen Wochen offiziell eingestanden, dass „die USA mitten im Kalten Krieg eine Rolle gespielt haben beim Sturz einer demokratisch gewählten iranischen Regierung." (1)
Hierbei handelt es sich um den von den Briten auf den Thron gehievten Marionettenmonarchen Mohammed Reza Pahlavi. Dieser musste mit dem nationalistisch gesinnten Regierungschef Mohammed Mossadegh eine Regierung bilden. Was dieser tat, war die Eröldvorkommen des Irans zu verstaatlichen - und zwar mit Hilfe des Ayatollah Abou al-Qasem Kachanis. Dies verärgerte Briten, wie Amerikaner (wie heutzutage in Venezuela oder Ecuador), und das berühmte Wehklagen über die Sorge vor der Hinwendung des Irans zum Sozialismus begann als mediale Inszenierung.
Die CIA begann das Manöver „Operation Ajax" um Mossadegh mithilfe des Schahs zu stürzen und diesen mit dem Nazi-General Fazollah Zahedi, der bis dahin in britischer Haft saß, zu ersetzen. Dieser installierte daraufhin das grausamste Terrorregime seiner Zeit...
Warum ist Operation Ajax relevant?
Diese wurde angeführt vom Archäologen David Wilber, dem Historiker Kermit Roosevelt (Enkel des ehem. Präsidenten Roosevelt) und General Norman Schwarzkopf Sr. (dessen Sohn die Operation Wüstensturm geleitet hatte). Ajax war ein Musterbeispiel für Subversion. Die CIA hatte sich ein Szenario ausgedacht, das den Eindruck eines Volksaufstandes vermitteln sollte, in Wirklichkeit aber eine gut geplante Inszenierung der Geheimdienste war: Höhepunkt bildete eine Demo von 8000 bezahlten Personen in Teheran, die der westlichen Presse überzeugende Bilder lieferte.
Was nun, wiederholt sich die Geschichte? Die USA, so schreibt Meyssan, haben darauf (vorerst) verzichtet, den Iran anzugreifen. Auch Isreal wurde davon abgehalten, obwohl die USA Isreal - wie auch schon letztens gegen Syrien - dafür massiv aufgerüstet hatten. (3) Die offenbar ungefährlichere Variante wurde von Washington vorgezogen, nämlich der Einsatz der Geheimdienste, zumindest verdichten sich die Indizen dazu. Ich möchte hier einen Abriss der Wichtigsten geben, weil dies Infos bietet, über die von den gleichgeschalteten Massenmedien des Westens nicht berichtet werden (darf):
Im Iran gibt es aktuell 2 Lager: Präsident Ahmadin-Nejad steht, gemeinsam mit Ali Khamenei den Anhängern von Mir-Hossein Moussavi und Ex-Präsident Akhbar Hashemi Rafsanjani gegenüber. Man kann das als Ausdruck einer tiefen Spaltung der iranischen Gesellschaft zwischen national gesinntem Proletariat und einer die Exklusion von der Globalisierung beklagenden Bourgoisie interpretieren, wie es auch immer wieder getan wird. Was Washington versucht, ist unter der Hand dafür zu sorgen, dass der wiedergewählte Präsident gestürzt wird. Das diesmal gewählte Mittel dazu sind die Handys.
Mobiltelefone können dank des weltweiten Spionagesystems ECHELON von der Ferne abgehört werden. (Es wird geschätzt, dass alleine die jährliche Wirtschaftsspionage der USA damit in der EU einen Wettbewerbsvorteil von hunderten Millionen Dollar bringt; was aber weder die einen daran hinderte, vom angeblich „freien" Markt zu predigen, noch die anderen, gegen die ECHELON-Installationen auf europäischem Boden vorzugehen.) Dies bringt enorme Vorteile im Vergleich zu der notwendigen in-situ-Installation beim Abhören von Festnetzanlagen. Andererseits erlaubt ECHELON nicht das Abhören von Skype-Gesprächen, was den enormen Erfolg von Skype in Konfliktzonen erklärt. Allerdings geht die NSA (National Security Agency) weltweit Internet-Provider an, um sich deren Unterstützung zu kaufen - dafür werde großzügige Summen gezahlt. (4)
Laut dem Insider Meyssan hören die Briten und Amis in den von ihnen besetzten Ländern - Irak, Afghanistan und Pakistan - sämtliche Telefongespräche, Mobil- und Festnetz, ab. Allerdings sind nicht unbedingt die Inhalte im Visier, sondern tatsächlich die sozialen Netze und Profile der Teilnehmer. Wichtig ist also, wer mit wem in Kontakt steht. Handys dienen dafür als Spitzel, um Widerstandsnester ausfindig zu machen. Nachdem mittels Handy schon „normal" der Standort des Besitzers auf fast 2 Meter genau ermittelt werden kann, kann mittels ISMI-Chatchern die Zielperson exkat ausfindig - und anschliessend eliminiert - werden. Brave new world?
Um dies zu beweisen ein Beispiel: Die afghanischen Aufständischen haben den diversen Telefonanbietern im Februar 2008 befohlen, ihre Aktivität täglich zwischen 17:00 und 03:00 zu unterbrechen, damit die Feinde ihre Bewegungen nicht verfolgen können. Die Antennen jener Anbieter, die sich widersetzten, wurden ausnahmslos zerstört.
Ähnlich, aber umgekehrt, haben sich die Israelis während der Operation „Gegossenes Blei" von Dezember 2008 - Januar 2009 sehr davor gehütet, Telefonrelaisstationen im Gaza-Streifen zu bombardieren - mit Ausnahme einer einzigen Telefonzentrale. Man muss sich nur verdeutlichen, was für großer Strategiewechsel dahinter steckt, wurde doch über Jahrzehnte das Ziel verfolgt , Kommunikationseinrichtungen der Gegner als Erstes zu zerstören...
Doch auch für die psychologische Kriegsführung kommen moderne Technologien im verstärktem Maße zum Einsatz: Im Juli 2008, nach dem Austausch der Gefangenen und Leichen zwischen Israel und Hisbollah, haben Bots Zehntausende von Anrufen auf libanesische Handys gesendet. Eine Stimme warnte auf Arabisch vor jeder Beteiligung am Wiederstand und schwärzte die Hisbollah an. Der libanesische Minister für Telekommunikation, Iibran Bassil, reichte bei der UNO Klage gegen diese Souveränitätsverletzung ein. (6)
Ganz ähnlich haben 10.000ende Libanesen und Syrer im Oktober 2008 einen automatischen Anruf bekommen, der ihnen 10 Mio. Dollar für jede Info bot, die es ermöglichte gefangene israelische Soldaten zu lokalisieren und zu befreien. Wer an einer Kollaboration interessiert war, sollte sich bei einer Nummer melden, die in England registriert war... (7)
Exakt dieselbe Strategie wurde nun im Iran angewandt, um den Mob zu mobilisieren: Per SMS wurde in der Nacht der Stimmenauszählung der letzten Wahl die Nachricht verbreitet, dass der Wächterrat Moussavi den Sieg mitgeteilt hätte. ERST DADURCH erschienen die Stunden später mitgeteilten Ergebnisse - seien sie glaubhaft oder nicht - mit dem Sieg Ahmadin-Nejads (64% der Stimmen) als gigantische Fälschung. Drei Tage vor der Wahl hatte Moussavi noch mit einer klaren Niederlage gerechnet, und dies mit den Ungleichgewichten der Wahlkampagne erklärt. Auch amerikanische Umfrageinstitute im Iran hatten einen Sieg Ahamdin-Nejads um rund 20% vorhergesehen.
Zweiter Schritt war die Aufforderung an die Bürger, sich auf Facebook und Twitter zu registrieren, um über laufende Aktionen, Demos, Schießereien und Aufstände informiert zu werden. Diese Infos wurden als anonyme Depechen verbreitet - und sind in großer Zahl unbestätigt geblieben. Ein Hinweis auf die Manipulation findet sich darin, dass die Betreiber von Twitter einige Zeit lang seinen Dienst wegen notwendigen Wartungen unterbrechen wollte, woraufhin aber das US-Außenministerium intervenierte und verlangte diese Operation aufzuschieben. (8)
Zur selben Zeit wurden militante Iran-Gegner in den USA und GB von der CIA mobilisiert, um die Unordnung zu vergrößern. Ihnen wurde ein „Praktischer Führer zur Revolution in Iran" verteilt, indem sich folgende Anleitungen finden:
-- Twitter Accounts auf die Zeitzone von Teheran ausrichten
-- Nachrichten auf die Accounts Twitter@stopAhmadi#iranelection und #gr88 zentralisieren
-- Die offiziellen Internetseiten Irans angreifen. Das „lasst die (US, Anm.)-Armee machen" (sic!)
(Solche Anleitungen sind beliebt, und kamen z.B. auch bei der Orangen Revolution in der Ukraine zum Einsatz).
Fazit: Was wahr und was falsch ist an der Wahl im Iran, wer aus welchem Interesse die Massen auf die Straßen lockt und lockte ist nicht eindeutig festzustellen. Der Schleicher der CIA liegt einmal mehr über den Fakten - eindeutig ist aber, dass wiedermal geschafft wurde, Iraner gegen Iraner aufzuhetzen. Diese subversiven Methoden werden wie in einem Laboratorium getestet, und in Menschenversuchen war die CIA schon immer gut. Es gibt also weltweit viele Interessenten, die den Ausgang dort mit ureigenem Interesse verfolgen. Die Destabilisierung hat erst einmal funktioniert, wie es scheint. „Es ist jedoch unsicher, ob die CIA die Demonstranten dahin bringt, das selber zu tun, worauf das Pentagon verzichtet und auch keinerlei Lust hat, es zu tun: das Regime zu wechseln, die Islamische Revolution zu beenden".(9)
Ich bitte um Anmerkungen, Eindrücke, Kommentare und Hinweise - ganz speziell von Kennern bzw. Reisenden des Irans!
-----------------------------------------------
(1) Vgl. „Discours à l'université du Caire", Barack Obama, auf: Réseau Voltaire, 4.6.09.
(2) Vgl. Stephen Kinzer: „Sur le coup de 1953, l'ouvrage de référance est: All the Shah's Men: An American Coup and the Roots of Middle East Terror", John Wileys & Sons ed., 2003, S. 272ff.
Siehe auch ganz aktuell: Gilles Munier: „Les espions de l'or noir", Koutoubia ed., 2009, S. 318ff.
(3) Anm. für alle Nicht-Wissenden: Israel ist zusammen mit Ägypten seit Jahrzehnten, dem größten Schmuggelkollaborateur Israels und Palästinas, der stärkste Nettoempfänger von Entwicklunggeldern, Grants und Waffen der USA. Das Bild das sich bietet, ist in etwa dasselbe wie der Einsatz der Deutschen Bundeswehr in Afghanistan: Kriege, Feinde und Bedrohnungen werden wissentlich selbst erst erschaffen und „gezüchtet", um damit politische Legitimation für disziplinierende Maßnahmen gegenüber der eigenen Bevölkerung zu ermöglichen. Vgl dazu, das strukturell-politische Konzept der cäsarischen Herrschaft, z.B. in meiner Diplomarbeit, Kapitel 9.2., S. 164.
(4) Vgl. Lewis Page: „The NSA offering 'billions' for Skype eavesdrop solution", The Register, 12.02.2009.
(5) Siehe dazu aktuell das Verbot des Einsatzes der teuer angeschafften ISMI-Catcher zu Überwachungszwecken in Österreich durch den VfgH: ORF-Futurezone, 15.07.: http://futurezone.orf.at/stories/1618676/ !
(6)Lt. Artikel von Thierry Meyssan, war angeblich selbst Zeuge.
(7)Vgl. „Strange Israeli phone calls alarm Syrians. Israeli intelligence services accused of making phone calls to Syrians in bid to recruit agents", Syrian News Briefing, 04.12.2008.
(8)„U.S. State Departement speaks to Twitter over Iran", Reuters, 16.6.2009.
(9)Meyssan, Th., in „Zeit-Fragen" vom 06.07.09, S. 5.