Weltagrarbericht 2008

Am 15. April 2008 erschien der Weltagrarbericht (http://www.agassessment-watch.org/) des Weltagrarrates (International Agricultural Assessment for Science and Technology for Development: IAASTD) in Paris.
Aktuell leiden mindestens 1 000 000 000 Menschen, also rund ein Sechstel der Weltbevölkerung, an lebensbedrohendem Hunger. Diese Zahl wird auf Grund der „Krise" auch noch steigen... Zahlreiche Stimmen verkünden immer wieder in guter malthusianischer Tradition, dass eine bestimmte Menge Menschen nicht ernährt werden könnte. Dieser genannte Bericht beweist nicht nur - einmal mehr - das Gegenteil, er gibt auch den Weg vor, wie dies möglich gemacht werden kann.

Dafür haben 400 Wissenschafter von 2003 bis 2008 Methoden und Techniken der Landwirtschaft untersucht und befunden, dass kleinräumige, regionale und gemeinschaftlich-verwurzelte Landwirtschaft in der Lage dazu ist, die Ernährung aller sicher zu stellen. Dieser Bericht wurde von 60 Staaten unterzeichnet und fordert einen globalen Paradigmenwechsel. Um die momentane Kennzeichnung der Welt, als ungleich entwickelt, nicht-nachhaltig im Verbrauch, konfrontiert mit Auswirkungen des Klimawandels, Nahrungsmangel und Armut, zu entkommen, gibt der Rat folgende Punkte vor:

- Um den zukünftigen Herausforderungen gewachsen zu sein, braucht es einen radikalen und  systematischen Wandel in der Agrarforschung, Entwicklung und Praxis.

- Die Umwandlung von Anbauflächen für Lebensmittel zur Treibstoffgewinnung ist nicht länger vertretbar.   Es sind stattdessen effizientere, integrierte und dezentrale Formen der Bio-Energiegewinnung zu fördern.

- Gentechnik bringt mehr Probleme als Lösungen und lenkt das Forschungsinteresse einseitig auf rein patentierbare Produkte

- Die Freiheit der Forschung und die Verbreitung von Wissen werden durch geistige Eigentumsrechte und -ansprüche (zum Beispiel auf Saatgut) massgeblich beeinflusst.

- Die öffentliche Forschung und Entwicklung muss praxisorientiert werden, die Fragen der Landwirte beantwortet und diese an Entwicklungen unbedingt beteiligt werden.

- Um die Klimagasemissionen pro Kalorie zu reduzieren, bedarf es technologischer Revolutionen und drastischer Einschnitte

- Der entscheidende Faktor zur Bekämpfung des Hungers ist nicht die Steigerung der Produktivität um jeden Preis, sondern die Verfügbarkeit und Verteilung von Lebensmitteln und ihrer Produktionsmittel vor Ort.

- Die besten Garanten für die lokale Ernährungssicherheit sowie die nationale und regionale Ernährungssouveränität sind kleinbäuerliche Strukturen. Ihre Multifuntkionalität mit ihren ökologischen und sozialen Leistungen müssen anerkannt und gezielt gefördert werden.

 

Felder für Foschungsinvestitionen und nachhaltige Technologien:
- Verbesserung der Methoden im biologischen Landbau und der Anbaumethoden mit geringem externen Input

- Züchtungen für bessere Temperatur- und Schädlingsbeständigkeit (hier wird allerdings oberflächlich betrachtet die Tür für Genmanipulationen (GMO's) wieder geöffnet, eig. Anm.)

- Finanzielle und nicht finanzielle Abgeltungen von Umweltleistungen

- Biologischer Ersatz von Agrochemikalien.

- Verringerung der Abhängigkeit der Landwirtschaft von fossilen Brennstoffen.

Reaktionen (lt. Wikipedia):

„Die Agrochemiefirmen Monsanto, Syngenta und BASF, die an der Ausarbeitung des Berichtes beteiligt waren, zogen sich wegen der Kritik des Weltagrarrates an der Gentechnik vorzeitig von der Mitarbeit zurück. Die USA, Kanada und Australien haben den Schlussbericht wegen der Kritik an der zu raschen Marktöffnung nicht unterzeichnet."

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Alle genannten Punkte aus: „Zeit-Fragen", Nr. 27, 06.07.09, S. 2 - siehe dort den ganzen Artikel.