Es gibt auch positive Banken- zwei Beispiele

Wie oftmals, mächtig und zahlreich gefordert sind „neue" Werte gefragt, die der Wirtschaft einen Rahmen geben sollen (vgl. Institut für Wertewirtschaft, Österreich, oder auch die zahlreichen - allerdings marktfreundlichen und teilweise äußerst fragwürdigen - Ansätze, wie Corporate Social Responsibility (CSR), Wirtschaftsethik und dgl. Die übrigens schärfste Kritik an all diesen ist, dass all diese Ansätze den Handelnden, Vortragenden und Marketingstrategen der Firmen nämlich ebenfalls viel Geld einbringen, allerdings genau deshalb, weil die Ansätze und Formulierungen exakt niemandem wirklich weh tun....Wer ist schon gegen verantwortungsvolles Handeln?

Ich möchte hier aber nun ein Beispiel dafür bringen, dass es auch wirklich anders gehen kann - wie sooft ein Beispiel aus der Schweiz, denn wo Extreme sind, gibt es immer auch ihr Gegenteil.

Es gibt Banken, die andere Wege gehen, als jene Verbrecher-Banken, deren nicht zufällig an antike Tempel erinnernde Fassaden (waren die religiösen Hüter doch damals ebenso die uneingeschränkten Hüter der Gold- und Silberschätze) jenes Kartell bilden, welches geeint unter dem Ziel Profitstreben die Welt wie ein Krebsgeschwür befallen hat und Schritt für Schritt mittels inszenierter Krisen aussaugt und aussaugt...
In der Schweiz nun etwa die „Zürcher Landwirtschaftliche Kreditkasse (ZLK)" und die „Freie Gemeinschaftsbank (FGB)", die aus der Strömung der Freigeld-Bewegung der 30er Jahre, zusammen mit Ansätzen des Rudolf Steiner'schen Goetheaneums und der Anthroposophischen Gesellschaft entstanden  sind (die Erstere): Ihre Statuten bestimmen, dass die ZLK-Bank, gegründet 1984, nicht das Ziel verfolgt, Kapitalgewinn zu erzielen; so ist der Handel mit Wertpapieren, Geld (als Ware - etwas was Jahrtausende verboten war, und schon von Aristoteles und Platon als eine Art Ursünde angesehen war), Fonds, etc. ausgeschlossen. Das klassische Einlagengeschäft bildet also die Grundlage des Geschäftsgebahrens dieser Bank: Spareinlagen verwalten und Kreditvergabe nach ethischen und sozialen Kriterien. Ein Modell also, welches in unseren Zeiten immer vehementer gefordert wird, und dessen Vorzüge ja argumentativ vorgewandt werden, wenn es darum geht, große Bankenkonzerne vor ihrem Einsturz mit Steuergeld zu retten („too big to fail"). Kriterium für eine Kreditvergabe ist konkret:

Das Geld soll in Projekten angelegt werden, bei denen die Person des Kreditnehmers, seine Initiative, sein persönliches Engagement und sein Umfeld im Zentrum stehen. (Leider) sind zwar die dort bestehenden Konten marktüblich verzinst, doch können die Kunden freiwillig - aus verantwortungsvoller Einsicht! - niedrigere Zinsen wählen. Zusätzlich werden an soziale und Umwelt-Projekte nicht-verzinste Kredite gewährt! Ein weiterer wichtiger Geschäftsbereich ist also die Vermittlung von Treuhandgeldern, was bedeutet, dass Geldgeber mit den finanzierten Menschen direkt im Kontakt stehen. Die Bank erhält so die Rolle einer Mediatorin zwischen Interessen.

Nach 25 Jahren hat die Bank 17 Angestellte, eine Lehrling und ein Kapital von rund 5 Mio. Franken (= 3,45 Mio €), die Bilanzsumme der Bank beträgt knapp 200 Mio CHF, davon sind 161 Mio CHF als Kredite verliehen - stehen also als flüssiges Geld der Wirtschaft zur Verfügung. Wofür?
Das meiste sind Hypothekarverleihungen: Wohgebäude, landwirtschaftliche Anliegen und Büros werden finanziert, daneben fließen ca. 13% in die biologische Landwirtschaft, 12% in Schulen u. Kindergärten, 7% in Altersheime, 14% für gemeinschaftliche Wohnprojekte, 20% fürs Wohnen generell, 12% für Heilpädagogik und Sozialtherapie, etc...
Die geförderten Projekte sind jedenfalls allemal einen Blick wert (s. Homepage).

Ein anderes positives Beispiel bildet die Freie Gemeinschaftsbank FGB, eine Genossenschaft: Die Anteilsscheine sind unverzinst und auch nicht rückzahlbar- also wie ein Geschenk an die Gemeinschaft. Unabhängig vom Kapital erhält jeder Genossenschafter eine Stimme in der Generalversammlung und damit stimmrechtlichen Zugang zur Stiftung der Bank, die Geld „weiterschenkt" und damit Projekte à fonds perdu (wie die Schweizer sagen) unterstützt. Da jeder, der hier anlegt, exakt darüber Bescheid weiß, was mit seinem Geld passiert, ist höchste Transparenz sicher gestellt - auch diese Forderung an den Finanzsektor wird heutzutage vehement gestellt.
Übrigens ist die Bank der Ansicht, dass eine bessere Kenntnis der Geldempfänger, der Stärken und Probleme der Projekte, etc. immer dazu führt, dass man eher bereit ist, auf einen Zins zu verzichten oder einer geringeren Verzinsung zuzustimmen. Momentan wird überlegt, die Geldgeber aus ihrer Anonymität zu holen und so ein breites Unterstützernetzwerk aufzubauen, wobei Zinsen gänzlich abgeschafft werden sollen, und dafür Verwaltungsgebühren und Spesen für das Bankgeschäft eingehoben werden könnten. Oder es wird geprüft, über längere Zeit einen Zins festzulegen und die Volatilität der Zinsen nicht mitzumachen. Ein anderer, überaus interessanter Ansatz, geht dahin, Konten einzurichten, wo Kunden Zinsen bezahlen (und nicht erhalten) - was der Idee des umlaufgesicherten Geldes von Silvio Gesell nahe käme: Geld also, welches dem ständigen Fluß entzogen bleibt, verliert automatisch an Wert. Auch Rudolf Steiner sprach schon von „rostendem Geld"... Übrigens sind über die Hälfte der Kontoinhaber bei dieser Bank Frauen.
Auf der Homepage der Bank finden sich zahlreiche ausführliche Schriften zur Finanzkrise, allerdings beschäftigen sie sich mit der Frage, wie der Mensch im Zentrum einer bestimmten ökonomischen und gesellschaftlichen Ordnung steht und stehen kann. Diese notwendigen „Utopien" sind essentiell, wie die Sterne am Nachthimmel. Auch diese sind zwar nicht zu erreichen, doch ohne sie bliebe alles dunkel...

Es gibt auch in anderen Ländern bereits Banken, die ähnlich arbeiten, z.B: in Deutschland: Die GLS Bank "Gemeinschaftsbank für Leihen und Schenken",  und seit wenigen Jahren die Ethik Bank. (Letztere bietet speziell Konton für Österreicher in .at an!)
Es wäre wünschenswert diese Liste fortzusetzen und damit auch - ganz unbezahlt - Werbung für ein etwas anderes Gesellschaftsmodell zu machen, das auch ohne individuelle Profitmaximierung ganz gut zu funktionieren scheint. Ich weiss übrigens nicht, ob so etwas auch in Österreich existiert, bzw. ob es rechtlich überhaupt möglich wäre. Ich überlege aber durchaus, ob es nicht an der Zeit wäre, ein ähnliches Institut in Wien zu gründen... *

- Siehe dazu auch den (demnächst erscheinenden) Artikel über Mikrokredite in der Rubrik AidBusiness; den letzten Schrei der Entwicklungsökonomie, bzw. die Idee dazu vom Nobelpreisträger Mohammed Junus (Yunus). Diese stehen unter massiver Kritik von verschiedenen Seiten, weil es etwa allein in Indien hunderte Selbstmorde verschuldeter Bauern gegeben hat, die bei Monsanto begonnen hatten Genmais anzukaufen. Damit hatten sie, ohne besseres Wissen, ihre Böden und Landwirtschaft auf Ewigkeiten zerstört und damit ganze Dörfer und Familien in Ungnade gestürzt. Mittlerweile hat sich als eine Art Alternativsparte die zinsfreie und nicht profitorientierte Mikrofinanzierung in der Entwicklungsforschung etabliert.... mehr dazu in Kürze.

 

*Studio Mynous will ja politische und künstlerische Projekte real umsetzen.

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Dieser Artikel ist eine Zsfsg. aus der schweizer Zeitung "Zeit-Fragen", Nr. 27, vom 06.07.09, S. 1-2.