Hinter dieser Website steht nicht bloß die Idee einer persönlichen Webpräsenz im Sinne einer elektronischen Visitenkarte, sondern vielmehr die Zurverfügungstellung von Platz, Forum, Austausch und Information für professionell-wissenschaftlich und künstlerisch-kreativ tätige Menschen, um in Zusammenarbeit eine - oder mehrere - derzeit fehlende globale Visionen zu schärfen, zu diskutieren und damit gemeinsam zu entwickeln.

Ulrich Beck nennt einen „institutionalisierten Kosmopolitismus“, einen, indem die „Kosmopolitisierung der Wirklichkeit“ erfolgreich zur Entstehung von globalen Foren der Diskussion […] führt, die mit transnationalen Konfliktfragen befasst sind. (Beck 2004: 30f.)
In diesem Sinn und Geist ist dieses Projekt ausgerichtet.
Dass das Fehlen von kohärenter/n multidisziplinärer/n Vision(en) in einer von Dogmatik dominierten, aber gleichzeitig „sinnlosen“ ( weil seltsamerweise oft Sinn entleerten) Zeit mehr als notwendig zu sein scheint, wird unter anderem angesichts der Debatten um Mondialisation, oder ökonomisierend: Globalismus genannt, augenscheinlich.

→ Wir wollen dem durch die Entwicklung und Schärfung von Sprache und Begriffen, von Logik und Forschung, durch Kritik und konstruktiver Transformation an herrschender Ökonomie und Politik entgegnen. Indem theoretische Konzepte schließlich einerseits ggf. künstlerisch-kreativ, andererseits durch konkrete Projekte und Projektanträge (bezügl. Fundraising) im Bereich der Wissenschaftskooperation, der interkulturellen Vernetzung und der Entwicklungszusammenarbeit verwirklicht, kohärent dargestellt und damit nicht zuletzt politisiert werden.

Eines Tages soll zu diesem Zweck der projektrealisierende Verein „Studio Mynous“ ins Leben gerufen werden, dessen Inhalt ebenfalls über diese Website zu erreichen sein wird. „Studio“ bedeutet in vielen europäischen Sprachen „Atelier“, und meint damit eine kreativ-inspirierende (oder um es zusammenzufassen: „kreativierende“) Werkstätte.

„my“ (gr. μ) ließe sich dabei u.a. interpretieren als 1.) der zwölfte Buchstabe des griechischen Alphabets, 2.) in der deutschen Bedeutung: „etwas kleiner/größer“, bzw. „ein kleines bisschen“, 3.) possessiv, analog zu Englisch: „mein“, 4.) wird im heutigen Griechisch als „Mi“ ausgesprochen, 5.) als jede Art von Verkleinerungspräfix anstelle von z.B. „Mikro“ und 6.) als Symbol des Erwartungswertes einer Zufallsvariablen in der Statistik.

Über das griechische Philosophem Noûs lässt sich u.a. folgender Ausdruck im Lexikon finden:

→ Noûs: (nicht eindeutig aus dem griech. Übersetzbar: „Geist“, „Verstand“, „Vernunft“, „Einsicht“; lat. Intellectus), kosmologischer und erkenntnistheoretischer Terminus mit wechselnden Bedeutungen, wird erstmals bei Anaxagoras (geb. um 500 v. Chr.) zur Bezeichnung eines die Welt bewegenden und durchwaltenden, aber nicht persönlich gedachten, feinstofflichen Prinzips gebraucht. Bei Aristoteles ist N. eine der Kennzeichnungen des Wesen Gottes (des unbewegten Bewegers), der sich ewig selbst denkt (Metaphysik XII, 9). Auch dem Menschen eignet N. als rationaler Seelenteil (neben dem vegetativen und sensitiven); zuweilen wird er „göttlich“ genannt. Funktion des Nous insgesamt ist die spontane Erfassung von Situationen, allgemeinen Zusammenhängen, des Wesens von Gegenständen u.a. Erkenntnisgehalten. Dabei wird die „rezeptive“ Kraft des N. (Nous pathetikos) zur hinnehmenden Erkenntnis des Seins von der „tätigen“ Kraft des N. (Nous poietikos) zur Abstraktion intelligibler Gehalte unterschieden.
Obwohl diese Seelen„teile“ nicht als selbständig zu verstehen sind, deuten einige Passagen (de an III, 5)auf die Abtrennbarkeit, Unsterblichkeit und Einzigkeit/Überindividualität des N. poietikos hin.
Konsistenz und werksgeschichtliche Einordnung der aristotelischen Aussagen zur Seelenlehre sind umstritten. In den spekulativen Ontologien des Neoplatonismus ist N. wiederum deutliche kosmologisch verstanden, i. d. R. ein entscheidender Bestandteil (N. als eine der fünf wahrhaft seienden Substanzen bei Apuleios, eine der drei Hypostasenneben dem Einen und der Seele- bei Plotin.
Weiterführende Literatur: K. Rahner: Geist in Welt., Innsbruck/Leipzig 1939, Neuausgabe Freiburg, 1996.
Seidl, H.: Der Begriff des Intellekts (nous) bei Aristoteles, Meisenheim, 1971.
(aus: Prechtl/Burkhard (Hg.): Metzler Philosophie Lexikon, 2. Auflage, Verlag J.B. Metzler, Stuttgart/Weimar, 1999.)

Aus der Verbindung der beiden Partikel „my“ und „nous“ zu einer eigenen Wortkreation (zusammen ausgesprochen: „minus“; gemeint ist überdies der Gegenpol zur positivistisch-herrschenden Kraft), lässt sich also bereits der Ansatz des Projekts erschließen:

→ Es geht im weitesten Sinn um die uralte und dabei immer schon globalisierte und globalisierende Suche nach der allesdurchwaltenden „Kraft“, die sich im je Einzelnen manifestiert - sei sie aus welchem Stoff (gr. „hyle“) auch immer: Materieller, biologisch-neuronaler, psychischer, geistiger, feinstofflich-spiritueller, logischer, machtstruktur-basierter oder rein ökonomischer Natur.
Oder eben Ausdruck der Gesamtheit einer solchen, etwa im Sinne einer generischen Vernunftseele?

→ Daher geht es im - mit dem Ziel „Globalphilosophie“ titulierten - Projekt kurz darum, Einzelwissenschaften, Religionen, Kulturen, Künste und Philosophien in einem a priori zueinander offenen und je positiv transzendierenden Polylog kurz und zusammenzuschließen; Diskussion und Material auszutauschen, Dokumente, Links und Medienarbeiten zu vernetzen und zu debattieren; ein offenes und demokratisierendes Forum zu eröffnen und im Sinne der Freiheit von Gedanken und Meinungen zu bewahren. Wo sich bedienen kann, wer die Spielregeln nicht nur akzeptiert, sondern im positiven Sinne der Gemeinschaft auch in der Lage ist, zu transformieren.

Ziel einer Globalphilosophie:
Abseits des kartographierenden, kollektivistischen Sammelns von genuin-erscheinenden Standpunkten, Traditionen und Begrifflichkeiten, die eines Tages das Übersetzen jeder Art erleichtern mögen, geht es vor allem auch um die Erarbeitung von Schnittstellen:
Denn es sollen von einem breiten metaphysischen Horizont her, Methoden, Tools, Prinzipien und Ansätze durch polylogen, und im besten Falle auch mehrsprachlichen, Diskurs entwickelt werden, unter dem Ansatz, das interkulturelle und ganz alltägliche Zusammenleben auf diesem Planeten angenehmer, vor allem angstfreier und rundum qualitativ „erfüllter“ zu gestalten.
Angst soll als zentrales Problem (wie aber ebenso als Ermächtigungsquelle jeder Entwicklung) auf Erden herausgearbeitet und entlarvt werden, gerade um sie letztlich zu überwinden.
Dabei entstehende konsensfähige Thesen sollten wiederum nach Möglichkeit in die bzw. für die alltägliche Arbeit von Wissenschaftlern, Künstlern und Politikern auf der ganzen Welt einfließen bzw. zugänglich gemacht werden - in dem Bewusstsein wie Ideen nun mal immer schon die Welt verändert haben. Und gleichzeitig in einem holistischen Sinn, wie dieses aber ohne die tägliche Übung der Praxis, des „Handwerks“ (in der ursprünglichen Bedeutung), niemals möglich wäre.
Die sich so durch ausübende Performativität ergebenden Resultate sollen hoffentlich wieder den Weg in den gemeinsamen Diskurs zurückfinden, auf dass sich ein kreativierender Kreis schließe - zwischen dem Einzelnen („my“), der Meinung und Ansicht („doxa“) erzeugenden Kraft („nous“) im Gedanken an eine Spirale oder lebensbestimmende Helix (z.B. DNA-Stränge), deren Fortschrittsrichtung nach „unten“ oder „oben“ eigentlich relativ egal ist.
Denn nur was sich dreht und verändert, lebt.

Ich bin überzeugt, dass mein Lebensprojekt, nämlich die Suche nach tragfähigen Schnittpunkten zwischen Sprachen, Philosophie, Ökonomie, Politik, Psychologie, Soziologie, Religion, Spiritualität und Logik, d.h. nicht mehr und nicht weniger nach Schnittpunkten zwischen und unter Kulturen („beyond“), auf diesem Wege und in diesem Sinne einen Schritt weiter zu bringen ist. Und zwar nicht nur, indem Content und Material geteilt und verbreitet werden kann (und damit ganz nebenbei endlich außerhalb von meinem Kopf und Computer archiviert wird), sondern auch hinsichtlich dessen, dass gemeinsam erarbeitete Rückflüsse und Einflüsse bedeutend sein mögen.
Für wen oder was, das lasse ich bewusst zur eigenen Interpretation offen.


Wer dieses Projekt wie auch immer unterstützen möchte, bitte ich um ein Email an: Jowa@mynous.org